Alle 5 Jahre hat die nunmehr 103-jährige Pramfähre Brobergen ein umfangreiches Instandsetzungs- und Prüfprogramm zu absolvieren. Das dient natürlich der Sicherheit der Passagiere wie ihrer Fahrzeuge, aber auch der Beruhigung der Fährleute und Vereinsmitglieder.
Im November 2025 war es wieder soweit: Die Tide stimmte und die ehrenamtlichen HelferInnen waren mit schwerem Gerät vor Ort. Unter die 30-Tonnen-Fähre wird bei Hochwasser ein kräftiger Trailer geschoben, der die Fähre aufnimmt. Diesmal hatte der Trailer extra 8 neue Reifen bekommen, da die alten mürbe waren. Mithilfe von leistungsstarken Traktoren wird dann der Trailer samt Fähre darauf aus dem Wasser gezogen. Leider ist die Deichdurchfahrt zu schmal für die Fähre, sodass sie direkt vor der Deichlücke gesichert wird. Nur hier sind Pflege und Erhaltungsmaßnahmen möglich, was die Zahl infrage kommender Firmen drastisch reduziert.
Zudem war auch die umfangreiche Finanzierung der Maßnahmen zu klären. Mit der Hilfe und Unterstützung der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten und der Kommune Kranenburg konnte die Fähre in das LEADER-Programm aufgenommen werden, das erhebliche Zuschüsse gewährt.
Nach der Reinigung des Unterschiffs der Fähre, das nach den letzten 5 Jahren im Wasser erstaunlich gut aussah, wurde der genietete Rumpf neu mit Spezialfarbe beschichtet. Eine erste TÜV-Prüfung des Rumpfes, wobei die Stärke des alten Stahls akkurat geprüft wird, verlief ohne Beanstandungen. Sehr erleichternd für die Vereinsmitglieder, wenn die wichtigste Substanz in Ordnung ist.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Schwimmkammern der Fähre, die vom Deck durch hermetisch abschließende Deckel normalerweise fest verschlossen sind und jetzt zugänglich gemacht werden mussten. Hier geht es um eine spezielle Reinigung dieser Schwimmkammern und die Prüfung, bevor diese schwer zugänglichen flachen Räume wieder für 5 weitere Jahre verschlossen werden. Die Schwimmkammern machen die alte Fähre quasi unsinkbar, denn mit Eisbergen und größeren Schiffen ist auf der Oste kaum zu rechnen.
Eine weitere Maßnahme betrifft die Asphaltschicht auf der Fähre als Untergrund für die diversen zu transportierenden Fahrzeuge. Die alte Asphaltschicht war spröde geworden. Durch Risse im Asphalt dringt dann Wasser durch und führt zu Rost am Stahlboden der Fähre. Der alte Asphalt wurde komplett entfernt und eine neue Schicht aufgebracht und am Rande zusätzlich durch Dichtungsmasse verstärkt. Auch dies eine aufwändige Arbeit in der Enge des Stellplatzes vor der im Winter geschlossenen Deichdurchfahrt.
Als nicht mehr mit Nachtfrösten zu rechnen war, konnte auch der Maler am Oberschiff mit seinen besonders widerstandsfähigen Spezial-Schiffs-Farben weitermachen. Alle Rumpfteile in der Originalfarbe Schwarz, alle Aufbauten in Weiß. Auch im Motorenhäuschen wurde innen und außen die Farbe erneuert.
Jetzt im April 2026 war es dann soweit, dass die Fähre wieder in ihr Element geschoben werden konnte. Zunächst musste das 120m lange Fährseil von kräftigen Männern durch die Oste gezogen und auf der Broberger Seite verankert werden. Das Fährseil dient nicht nur dem Hin- und Herfahren der Fähre, sondern es ist auch die stärkste Sicherung gegen das Abtreiben der Fähre. Ein Bruch des Fährseils führt im schlimmsten Fall zum unkontrollierten Abtreiben der Fähre mit der Tide. Das konnte dank der Umsichtigkeit eines Fährmanns und dank rechtzeitigem Wechsels des angegriffenen Fährseils 2025 in der jüngeren Vergangenheit verhindert werden. Das Seil hält 2 bis 3 Jahre und leidet am meisten durch Stein- und Kiesbewegungen durch die Tide am Grunde der Oste, wenn es abgesenkt ist – und das ist nun mal zeitlich überwiegend der Fall, weil der Wasserweg der Oste für die Boots- und Schiffahrt frei bleiben muss. Ein neues Seil wird individuell für unsere Fähre angefertigt und kostet mittlerweile ca. 1400 Euro. Der Vorstand sorgt dafür, dass ein Reserveseil vorgehalten wird, um den Fährverkehr im Schadensfall nur kurzfristig unterbrechen zu müssen.
Wenn die Fähre wieder aufgeschwommen ist, müssen auf beiden Seiten jeweils zwei bewegliche Rampenteile wieder eingesetzt werden. Die schweren Teile werden von Treckern mit Hebehydraulik beiderseits der Oste herangebracht und dann mit Bolzen und Ketten befestigt. Nur mithilfe dieser beweglichen Rampen kommt die Fähre nah genug ans Ufer, um Personen und Fahrzeuge bis 10 t aufzunehmen.
In den zurückliegenden Jahren konnten auftretende Schäden durch Eigenleistung hochkompetenter Vereinsmitglieder in kürzester Zeit behoben werden. Als in der letzten Saison 2025 der schwer zugängliche Anlasser des alten Deutz-Motors kaputt ging, lag ein selbst repariertes Ersatzteil griffbereit und wurde von zwei Vereinsmitgliedern innerhalb weniger Stunden eingebaut, sodass der Fährbetrieb weitergehen konnte. Ohne solch vorbildliche ehrenamtliche Verantwortung könnte ein zuverlässiger Fährbetrieb mit einem solchen Oldtimer nicht gewährleistet werden. Man denke nur an die komplett neu gebaute Schwebefähre in Rendsburg, die schon oft monatelang ausfiel.
Neben der Pflege und Unterhaltung der Fähre kümmern sich die Mitglieder des Fährvereins auch um den Anleger Brobergen für Sportboote und Gastlieger. Im Herbst wird der Anleger in Pontons auseinandergeschraubt und die Pontons mit der Fronthydraulik von Traktoren zum Lagerplatz beim Fährhaus transportiert. Dort werden die Pontons von Ehrenamtlichen hochdruckgereinigt und ggf repariert. Im Frühjahr werden die Pontons zurück ins Wasser transportiert und zum Anleger zusammengeschraubt und mit Scherbäumen vom Land gesichert.
Nicht zuletzt kommt im Frühjahr auch wieder die Fährmannshütte „Jürgens Hütte“ vom Winterstellplatz auf dem Parkplatz des Fährhauses auf ihren Saisonplatz im Außendeichsgelände bei der Fähre. Das geschieht mithilfe einer Hinterhydraulik an einem schweren Trecker, der die Hütte mitsamt ihrer Grundplatte anheben kann. In „Jürgens Hütte“ ist während der Saison auch ein Defibrillator untergebracht, um ggf. auch in der abgelegenen Lage des Fährhauses schnelle Hilfe zu gewährleisten.
Sorgenfalten gibt’s im Fährverein aufgrund der Alterung der aktiven Mitglieder und der Fährleute. Um den Betrieb in den 5 Monaten der Sommersaison zuverlässig aufrecht erhalten zu können, bedarf es ca. 20 aktiver Fährleute. Aufgrund von persönlichen Einschränkungen wird die Zahl zur Verfügung stehender Fährmänner und -Frauen jedoch immer geringer. Noch lässt sich der Fährplan mit Mühe füllen. Je mehr Leute zur Verfügung stehen, umso geringer wird die individuelle Verpflichtung. Es werden deshalb neue Fährleute gesucht. Menschen, die noch im Berufsleben stehen, werden als Fährleute nur an Wochenenden Zeit dafür haben. So ist die Zielgruppe bei Menschen zu sehen, die kurz vorm Ruhestand stehen und Lust dazu haben, ein aussergewöhliches und abwechslungsreiches Hobby zu beginnen. Auch „Schnupper-Mitfahrten“ sind jederzeit möglich. Auskunft unter 04140 8154. Aber auch technisch interessierte Mitglieder sind im Fährverein gern gesehen. Wer gern mit (alter und neuer) Technik arbeitet und improvisiert, kann hier ein sehr befriedigendes und dankbar angenommenes Hobby aufnehmen.
Bitte die Fährzeiten beachten:
Mai+Sept: Mo-Fr 13-18 Uhr / Sa+So 10-18 Uhr
Juni, Juli, Aug: Mo+Di 13-18 Uhr / Mi-So 10-18 Uhr
Fährkrug Öffnungszeit: Sa+So+feiertags 11-18 Uhr (zusätzlich nach Absprache!)